KRAFTORTE
Salzburg

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Maria Kirchenthal in St. Martin bei Lofer

1677 wurde die Pfarrkirche von St. Martin modernisiert und dabei fand man für eine gotische Madonna mit Jesuskind keinen Platz mehr. Erzählt wird, dass Waldarbeiter diese Madonna dann 1689 in ihrer Holzknechtkapelle im Hochtal - 250 Meter über St. Martin - aufstellten. Das Wunder ereignete sich im Jahr darauf: die Madonna sollte sehr traurig geblickt und sogar geweint haben. Das wiederrum löste einen regen Zulauf von Gläubigen aus und es wurden von kirchlicher Kommission eidliche Aussagen von Augenzeugen protokolliert. Erst daraufhin hat sich der Fürsterzbischof Johann Ernst von Thun dazu entschlossen, den größten Teil der Bausumme für eine Wallfahrtskirche zu stiften. Der berühmte österreichische Barockbaumeister Bernhard Fischer von Erlach dimensionierte das Gotteshaus so großzügig, dass man es noch heute “Pinzgauer Dom” nennt.

Die sonderbaren Buchstaben über dem Kirchenportal A&PSLNGPSRIC bedeuten nichts anderes als die Anfangsbuchstaben der lateinischen Titel des Stifters.

Die Wallfahrt nahm an Bedeutung zu und im 18.  und 19. Jhdt. hatte die Wallfahrt bis zu 50000 Pilger zu verzeichnen! Pilger aus Tirol, Bayern, Ungarn und Kärnten hatten teilgenommen. 1500 Votivtafeln zeugen über die unzähligen Wunder und Erhörungen der Geister dieses Ortes.
Ein Mesnerhaus dient Kirchendiener und Wallfahrer. Das “Armenhäusl” daneben sollte die überschießende Bettelei eindämmen, indem Wallfahrer eine milde Gabe für die Armen spendeten.

In einer Dokumentation einer geomantischen Untersuchung von Franz Spilka ist über Maria Kirchenthal folgendes nachzulesen:
 

Südlich des Regens-Hauses verläuft ein Almzaun; südöstlich davon befindet sich ein Gatter, durch den ein Weg verläuft. Der Weg verläuft - der Karte nach - in westlicher Richtung und davon zweigen in südl. Richtung Wege ab in die kleine Schneegrube, in die Lärchgrube und in die Lahnfahrt. Der Weg führt dann in Serpentinen weiter zum Wechsel (1048 Meter), wo 4 Wege zusammentreffen. Einer führt auf den Rauchenberg (1293 Meter) und von dort über die Franzenshöhe (907 Meter) nach Lofer - er wird von den Einheimischen kaum begangen.
Parallel zu diesem Weg, verläuft von der Kirche ein Weg in den hintersten Teil des Kessels. Der Name “Rauchberg” deutet auf einen alten Signalberg hin.
Herr Joachim Jünemann (BRD) untersuchte hierbei das Gelände radiästhetisch und  “mutete” dabei südlich des Weges eine Kultanlage aus der Frühzeit der christlichen Missionierung, die er iroschottischen Mönchen zuordnete. Weiters hatte er die Lage des ehemaligen Bauwerkes - welches im geomantischen Feld des Ortes Spuren hinterlassen hatte - genau feststellen können.

Herr Spilka wirft in seiner Dokumentation auch spannende Fragen auf: “Was war vor der Kirche an diesem Ort? Ist es möglich, dass vormals im “Kircher-Tal” schon eine alte Kultstätte war und warum? Es gibt viele Kirchorte in den Bergen, wo es keine Kirchen - in unserem Sinne - gibt. Frau Schulrat Berta Runge weist nach, dass man das Wort Kirche von Kreis (Steinkreis?) ableiten kann.”
 

Die Beleuchtung des Gnadenbildes bei Sonnenaufgang:

In dem Buch “Österreichische Kunsttopographie”, von Hofrat Dr. Franz Martin, pol. Bezirk Zell am See, ist die Kirche im Grundriß und Aufriß bzw. Längsschnitt dargestellt. Herr Franz Spilka zeichnete wiederum in diese Zeichnung die Längsachse und die Ostrichtung ein. Dabei fällt auf, dass der Nordpfeil nicht senkrecht auf der Ostrichtung steht und das bedeutet, dass die Abweichung größer dargestellt, als tatsächlich ist. Daraus wird wieder deutlich, dass der Frage nach der Achsenrichtung zu wenig Bedeutung beigemessen wird.
Aus dem Längsschnitt ist ersichtlich, dass der Sonnenstrahl der durch das Mittelfenster in das Kircheninnere fällt, den Altaraufbau trifft und das Gnadenbild beleuchtet. Es ist aber auch ersichtlich, wie am Ort praktisch beobachtet, dass durch die Brüstung des Empores, ein Teil des Lichtstrahles abgeschirmt wird. Ob nun das ganze Gnadenbild, oder nur ein Teil beleuchtet wird, muss durch eine praktische Beobachtung festgestellt werden. Am Beobachtungstag des Herrn Spilka war das nicht möglich, da am Morgen die Kirchentüre verschlossen war. Jedoch die Kirchen-Vorderfront erstrahlte an jenem Tag in hellem Sonnenlicht.

Lichtphänomene - Sonnendurchgang - in der Kirche Maria Kirchental:

Zweimal im Jahr, um den 4. Mai und um den 8. August, geht die Sonne in Richtung der Kirchenachse, beim Kötschmairhorn auf. Dann fallen die Lichtstrahlen durch das Fenster ober dem Haupttor in die Kirche hinein und beleuchten den Altaraufbau mit dem Gnadenbild. Ein Teil der Lichtstrahlen wird aber durch die Brüstung des Empore abgefangen, wie die Zeichnung zeigt:




Die Wallfahrt wird von Unken aus angegangen. Dort erregte 1632 der Tod des Jesuiten und Moraltheologen Adam Tanner einen kleinen Aufruhr. Auf dem Weg von Innsbruck nach Salzburg hat er die Nacht im Pfarrhof in Unken verbracht und wurde am Morgen darauf tot im Bett vorgefunden. Als man die Beerdigung vorbereitete, haben Bauern in seinem Gepäck ein Mikroskop entdeckt, welches als teuflisches Ungeheuer gedeutet wurde - da man hierdurch zB Fliegen als riesige Ungeheuer ausmachen konnte. Der Tote wurde der Komplizenschaft mit dem Teufel bezichtigt und man wollte dem armen Mann schon eine würdige Beisetzung verweigern. Der Pfarrer konnte nur mit großen Mühen den Bauern das Mikroskop und erklären. Adam Tanner galt als Kritiker der “Hexenhatz” - also der Hexenverfolgung - und verglich sie sogar mit der Christenverfolgung. Damit riskierte Herr Tanner sogar, sich selbst vor dem Hexentribunal wiederzufinden. Tanners Grab ist leider seit dem Umbau der Kirche in Unken im 18. Jhdt. nicht mehr auffindbar.

Die Rösserwallfahrt über den Römersattel:

Das Bundesheer hat die alte und anspruchsvolle Rösserwallfahrt über 17 km Distanz und 450 Höhenmeter von Hochfilzen zwischen Leoganger und Loferer Steinbergen hindurch nach Kirchenthal erneuert. Die Gehzeit beträgt in etwa 4 - 5 Stunden. Am letzten Freitag im Juni wallfahrt eine Einheit bis zu 40 Haflinger auf diesem Pilgerweg. Treffpunkt ist in der Vorderkaser mit den Heeresmuli aus Bad Reichenhall und dann wird zusammen zum Festgottesdienst vor der Wallfahrtskirche der Weg fortgesetzt.
 

Quellen:
Pilgerwege im Salzburger Land von Clemens M. Hutter, Tyrolia Verlag
Rätsel der Heimat, 65. Folge von Franz Spilka, Eigenverlag
eigene