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Oberösterreich

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Julbach (Mühlviertel - Bezirk Rohrbach)

Drosselstein


Am Kalvarienberg oberhalb der Ortschaft Julbach findet sich das einstige Kultobjekt - der Drosselstein mit seiner schalenförmigen Vertiefung, die auch bei großer Trockenheit stets feucht bleibt. An diesem Kulthügel entspringen zahlreiche Quellen.



Während im 19. Jahrhundert die Kalvarienbergkapelle und der steile Kreuzweg mit seinen 14 Stationen  errichtet wurde, entstand 2012 ein neuer Abstieg mit dem Themenweg „Die 10 Gebote“. Für jedes der 10 Gebote wurde eine Art Steindenkmal – entweder als Steinformation oder einzelner Menhir – geschaffen, an dem dann eine Tafel über eines der Gebote informiert.



In der Frühgeschichte pilgerten die Menschen zum „feuchten Schalenstein“ mit seinen beiden Felsformationen am Gipfelareal und zu den Quellen am Hügel.



Wasser als Lebenselixier oder als heilendes Element waren vermutlich ihr Antrieb – vielleicht auch ein Fruchtbarkeitskult, wie er sich noch in einer Sage widerspiegelt:
Vom Drosselstein sollen die kleinen Kinder kommen. Wenn man das Ohr unten an den Stein legt, kann man ihr Wimmern hören.



Auch ein Ort der Verehrung der fruchtbarkeitsspendenden Urmutter darf hier vermutet werden, was in Zeiten der christlichen Missionierung zu entsprechenden Dämonisierungen solcher Orte führte, worauf die Teufelssagen zum Drosselstein - auch auf der Hinweistafel vor Ort nachzulesen - hinweisen:

Auf dem Drosselstein trieb der Teufel sein Unwesen. Er raufte mit einem Engel um den Besitz einer Seele und verlor. Vor Wut stampfte er auf und hinterließ seinen Fußabdruck im Stein.”





Es mutet schon seltsam an, wenn an einem vorchristlichen Stein- und Wasser-Kultort die Steine heute zu Symbolen der christlichen 10 Gebote werden und dazu heraufbefördert werden müssen, ein Fahrweg gebaut und das Gipfelgebiet gerodet werden muss.
Der einstige Kultstein – der Drosselstein – bleibt im dunklen Bergwald verborgen.

Die 3 Sagen zum Drosselstein erzählen folgende Geschichten:

1. Auf dem Drosselstein trieb der Teufel sein Unwesen. Um den Besitz einer Seele raufte er sogar einmal mit einem Engel. Als er merkte, dass er diesen Kampf nicht gewinnen würde, stampfte er voll Wut den Rossfuß in diesen Stein. So ist heute seine Spur noch sichtbar.

2. Vom Drosselstein kommen die kleinen Kinder her. Wenn man das Ohr unten an den Felsen legt, kann man noch heute ihr Wimmern hören. Die dauernde Nässe käme vom Nässen der kleinen Kinder.

3. Ein Fremder wollte die hölzerne Kapelle, die früher auf diesem Kalvarienberg stand, abtragen um daraus einen Pferdestall zu bauen. Seither fuhr der Teufel in nächtlichen Stunden vom Drosselstein durch Julbach und wieder zurück. Man rief den Pfarrer Kogler von Rannariedl. Dieser beschwor daraufhin den Teufel auf dem Drosselstein. Wütend stampfte der machtlose Teufel nun seine Huf ins Gestein und verschwand mit Lärm und Gestank für immer. Daraufhin baute man die neue Kapelle.

(Quelle: Naturdenkmäler im oberen Mühlviertel von Vitus Ecker)