KRAFTORTE
Bayern

G├Ąstebuch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wallfahrtskirche ST. WOLFGANG im Chiemgau (Rabenden)
 

Ist die kleine gotische Kirche von Rabenden bei St. Wolfgang wegen ihres Schnitzaltars weithin bekannt, so verdient die Nebenkirche St. Wolfgang der Pfarrei Baumburg aus ganz anderen Gr├╝nden gro├čes Interesse.

Sie war einmal die letzte Station auf bayerischem Boden des mittelalterlichen Pilgerweges, der von Franken ├╝ber Velburg in der Oberpfalz, Regensburg und St. Wolfgang bei Dorfen zum gr├Â├čten Wolfgangi-Wallfahrtsort an dem nach dem heiligen Bischof von Regensburg benannten Wolfgangssee im Salzkam mergut f├╝hrte.

Die Kirche stammt in ihrer heutigen Form aus dem 14. Jahrhundert. Nach der ├ťberlieferung wurde die Kirche am 26.02.1400 durch Bischof Engelmar von Chiemsee geweiht. Sie war aber ganz offensichtlich nicht das erste Gotteshaus, das an dieser Stelle errichtet wurde. Der massige Turm aus Steinquadern stammt n├Ąmlich noch aus dem 13. Jhdt., wie der sp├Ątromanische Bogenfries und die Klangarkaden unter dem originellen Turmdach beweisen. Die Wallfahrtslegende reicht noch viel weiter zur├╝ck und behauptet, hier habe schon im 10. Jhdt. eine Kapelle gestanden, in der einst Bischof Wolgang Rast machte und gepredigt haben solle.

Heilung wurde an diesem Ort immer schon erfahren, was an den zahlreichen Votivbildern zu erkennen ist. Leider haben viele Votivbilder die Zeit der Aufkl├Ąrung und der S├Ąkularisation nicht ├╝berdauert.

Was diesen Ort jedoch zu einem besonderen Kultort und Kraftort macht, ist im Kirchenf├╝hrer von Baumburg wie folgt zu nachzulesen:
“..ein seltsames Steingebilde vor den Stufen zum Hochaltar an das gl├Ąubige Vertrauen, das man hier jahrhundertelang dem heiligen Wolfgang entgegengebracht hat. Es handelt sich hier um eine niedrige, 3teilige Br├╝stung aus rotem Marmor, in die folgende barock verschn├Ârkelte Inschrift eingemei├čelt wurde:
 



        “Wahrer Ort und Merkhmal so allhier H. Bischoff Wolffgangus in einer
         Durchrei├č bey genohmender Rasst in den Stein als ein Zeichen
         unterlassen hat.”

Diese Br├╝stung umschlie├čt einen Felsbrocken im Kirchenboden mit seltsamen Schrunden und L├Âchern. In der rechten Seitenwand der Balustrade ist ├╝ber dem Boden ein halbkreisf├Ârmiges Loch, durch das ein schlanker Mensch gerade noch kriechen kann. Es ist ein sogenannter Schlupfstein, der nach altem Volksglauben jedem Pilger bei Kreuzschmerzen half, wenn er hindurchkroch.”

Wir haben bei unserem Besuch in der St. Wolfgangskirche das Gl├╝ck gehabt, die Messnerin, Frau Barbara Schleifer, anzutreffen, die uns sofort sehr bereitwillig das “richtige Durchschlupfen” zeigte und uns nochmals ├╝ber die Kraft des Steines erz├Ąhlte:
Insbesondere als Fruchtbarkeitsstein sei er sehr geeignet:
“Ich kenne bereits 3 Familien, die erst nach diesem Durchschlupfen mit einem Kindersegen belohnt wurden. Alle 3 Damen waren schon an die 40 Jahre alt und waren vorher ungl├╝cklich kinderlos.” Und M├Ąnner k├Ânnten diesen Schlupfstein zum Abstreifen von Kreuzschmerzen und R├╝ckenleiden n├╝tzen.

“Manche Menschen sitzen stundenlang in der Kirche. Sie meditieren und beten und schlupfen anschlie├čend durch.  Viele  erz├Ąhlen, sie f├╝hlen sich anschlie├čend
leichter und besser.”

Durch das Durchschlupfen oder Durchkriechen in geb├╝ckter Haltung durch diese ├ľffnung  wird die Heilkraft des Steines auf den Menschen ├╝bertragen. Nat├╝rlich ist mit der Ber├╝hrung des Steines auch die Erwartung einer Heilung verbunden.

Weiters erz├Ąhlte uns Frau Schleifer, dass W├╝nschelrutengeher/Radi├Ąstheten  eine besondere Kraft an diesem Stein best├Ątigen k├Ânnen.


In dem Buch ┬╗Sagen aus dem Chiemgau┬ź von Gisela Schinzel-Penth (Ambro Verlag) S. 188 findet sich noch eine andere, interessante Deutung f├╝r den Schlupfstein: ┬╗In fr├╝heren Zeiten galten Schlupfsteine als Zaubersteine, bei denen Menschen beim Hindurchzw├Ąngen ihre k├Ârperlichen M├Ąngel gleich einer Schlangenhaut abstreifen konnten.┬ź

Ein weiterer Steinblock mit Vertiefungen befindet sich in der Vorhalle der Kirche im Turm-Erdgescho├č. Dieser ebenfalls muldenartig verformter Stein nahe dem Eingang soll ein weiterer Fu├čabdruck des Heiligen Wolfgang sein.

Ähnliche Steine gibt es auch in
anderen dem heiligen Wolfgang geweihten Wallfahrtskirchen. Sie stehen in einem engen Zusammenhang mit der Wolfgangslegende, die berichtet, da├č sich der Heilige eines Tages als Bu├č├╝bung die H├Ąnde an einem Felsen blutig schlagen wollte, wobei der Stein wie Wachs nachgegeben habe, so da├č Vertiefungen in diesem Stein entstanden seien.

Von den vielen Wallfahrerz├╝gen der Vergangenheit blieb nur einer bis heute bestehen: Die im Jahre 1675 wegen einer Viehseuche gelobte Fu├čwallfahrt der Parrei Aschau wird noch jedes Jahr an Pfingsten durchgef├╝hrt.

Wegbeschreibung: Wenn man auf der Bundesstra├če 304 von Altenmarkt nach Rabenden f├Ąhrt, sieht man etwa auf halbem Wege schon von weitem auf dem H├Âhenzug rechts der Stra├če die kleine gotische Kirche mit ihrem schindelgedeckten Steildach.
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